
Über Digi’B@ts
Mit digitalen Medien und Gamification die Artenschutzsensibilisierung fördern
In die faszinierende Welt der Fledermäuse kann in der Regel nur abends und während warmer Sommernächte hautnah eingetaucht werden. Damit gilt die Fledermaus bei vielen schon als unsichtbar und unheimlich. Gerade durch die nach wie vor aktuelle Pandemie sind Fledermäuse negativ in den Interessensfokus geraten und haben in den westlichen Kulturen einen äußerst schlechten Ruf [1, 2].
Durch die Sars-CoV-2-Pandemie hat die Angst vor Fledermäusen einen neuen Höhepunkt erreicht [3, 4]. Aufklärung ist nötig, um diese Angst zu mildern und Fehlinformationen aufzuklären, um so die faszinierende Welt der nachtaktiven Säugetiere zukünftigen Lehrkräften als auch Schülerinnen und Schülern näher zu bringen.
Die zweithäufigste Säugetiergruppe ist auf vielfältige Weise wertvoll für Umwelt und Natur, spielt eine wichtige Rolle in der Ökologie von Garten, Wald, Wiese und Gewässern und sorgt in Deutschland nachts dafür, dass Stechmücken nicht zu Plagen werden. „Digi’B@ts“ vereint in mehrperspektivischer Betrachtungsweise eine Vielfalt an MINT-Fächern.

Grafik: Ann-Katrin Krebs
In Abb. 1 werden diese exemplarisch mit adressierten Themen aufgezeigt, woraus das Potential für einen vernetzten und interessenfördernden MINT-Unterricht mit einer ebenso vielfältigen Didaktik abgeleitet werden kann [5, 6]. Aufgrund der Fächervielfalt können unterschiedliche Interessen und Vorlieben von Lernenden unter dem Dachthema Fledermaus adressiert werden, die zusätzlich auch mit Fächern wie Deutsch, Musik oder Kunst Anknüpfungspunkte finden. So können Alltags- und Lebensweltbezüge interessen- und neigungsbasiert im Kontext von Fledermäusen behandelt werden.
In diesem Zuge steht bei „Digi’B@ts“ im Fokus, inwiefern sich Artenkenntnis von Flora und Fauna durch Fledermauswanderungen, Sensibilisierung für Artenschutz [7] und die Furcht vor Fledermäusen [8] durch einen didaktischen Einsatz digitaler Medien und Gamification entwickeln.
Der Schutz der Fledermäuse kann dahingehend auch als konkretes Beispiel in der Bildung für nachhaltige Entwicklung genutzt werden, um ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte der Nachhaltigkeit greifbar zu machen. Fledermäuse bieten Möglichkeiten, interdisziplinäres Lernen zu fördern und die Verbindungen zwischen SDGs sichtbar zu machen. So trägt ihr Schutz dazu bei, Menschen für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und ihre aktive Beteiligung an der Lösung globaler Herausforderungen zu fördern.

SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen): Fledermäuse kontrollieren Schädlinge, die Krankheiten übertragen können, und tragen so indirekt zur öffentlichen Gesundheit bei. Diese Zusammenhänge können genutzt werden, um über den Wert von Ökosystemleistungen für das menschliche Wohlergehen zu informieren. Solche Bildungsmaßnahmen betonen die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur.
SDG 4 (Hochwertige Bildung): Bildung über Fledermäuse fördert das Verständnis von Ökosystemen, ihren Leistungen und der Bedeutung von Biodiversität für das menschliche Leben. Kinder und Erwachsene lernen durch Projekte, wie der Schutz von Arten Teil einer nachhaltigen Entwicklung ist.
SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz): Schutzmaßnahmen für Fledermäuse können im Bildungsbereich als Praxisbeispiele für Anpassung an und Abschwächung von Klimaveränderungen verwendet werden. Schüler*innen können durch direkte Aktionen (z. B. Bau von Fledermauskästen, Fertigung von Fledermausdetektoren) ein Bewusstsein für ihre Mitwirkung entwickeln.
SDG 15 (Leben an Land): Programme zur Förderung des Artenschutzes können bei Schüler*innen und Gemeinden das Bewusstsein für die Bedeutung von Lebensräumen und Biodiversität stärken. Dabei wird ein interdisziplinärer Ansatz gefördert, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Dimensionen beleuchtet.
SDG 17 (Partnerschaften): Artenschutzprojekte für Fledermäuse erfordern oft Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Bildungseinrichtungen, NGOs und lokalen Gemeinden. Solche Partnerschaften bieten Möglichkeiten, kollektives Handeln und nachhaltige Lösungen in der Bildung zu integrieren. Gemeinsame Aktionen fördern Verantwortungsbewusstsein und globale Solidarität.
Bei der Umsetzung der Projektteile wird besonders auf digitale Basiskompetenzen [9] wie z.B. eine ansprechende mediale und altersgerechte Aufbereitung von komplexen Fachinformationen und Daten sowie deren Präsentation in Studium und der Schule Wert gelegt, sodass Naturwissenschaften digital erlebt, begriffen und barrierefrei zugänglich werden können.
Aufgrund des fächerübergreifenden, interdisziplinären Ansatzes können unterschiedliche Vorlieben sowie Alltags- und Lebensweltbezüge interessen- und neigungsbasiert im Kontext von Fledermäusen behandelt werden. Im Rahmen der zeitweisen Anbindung an „Profun.Dig“ und über das Projekt #MINTastisch an das Lehr-Lern-Labor UNICORNER konnten Schüler*innen von den Vorteilen eines außerschulischen Lernorts profitieren, indem sie authentische Erfahrungen machen und mit allen Sinnen neues Wissen lernen und wahrnehmen konnten [10, 11].
Damit wird ermöglicht, dass unabhängig des biologischen oder sozialen Geschlechts interessante Themenbereiche für Lernende erreichbar werden, die bspw. aufgrund körperlicher Einschränkungen Fledermäusen nie so nah kommen werden.
Das Projekt ist ein privates Forschungsprojekt, zum Großteil selbst finanziert und wächst stetig an Angeboten.
Materielle Unterstützung hat das Projekt durch das Projekt „Profun.Dig“ und durch die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz (AGF) Baden-Württemberg in Form der Anschaffung von Film-Detektor-Sets erfahren. Diese Sets können Studierende ausleihen, um bei sich Zuhause Fledermäuse zu filmen und zu detektieren.
Des Weiteren wird der Aspekt der Gamification über die Joachim Herz Stiftung gefördert: „Einsatz von Gamification am Beispiel von Artenschutzsensibilisierung“
„Digi’B@ts“ soll wissenschaftlich die Entwicklung von Artenkenntnis und die Sensibilisierung für Artenschutz durch Digitalisierung untersuchen.
Bis dahin kann schon einmal in das digitale Museum von „Digi’B@ts“ hineingesehen werden:
Digi’B@ts-Museum auf CoSpaces Edu
Literaturverzeichnis
[1] Tuttle, Merlin D.: Fear of Bats and its Consequences. In: Journal of Bat Research & Conservation 10 (2017), Nr. 1
[2] Todd, John: Dreaming the Bat Out of the Shadow. In: Psychological Perspectives 59 (2016), Nr. 2, S. 219–241
[3] Lundberg, Piia ; Ojala, Ann ; Suominen, Kati M. ; Lilley, Thomas ; Vainio, Annukka: Disease Avoidance Model Explains the Acceptance of Cohabitation With Bats During the COVID-19 Pandemic. In: Frontiers in psychology 12 (2021), S. 635874
[4] Lu, Manman ; Wang, Xindong ; Ye, Huan ; Wang, Huimin ; Qiu, Shan ; Zhang, Hongmao ; Liu, Ying ; Luo, Jinhong ; Feng, Jiang: Does public fear that bats spread COVID-19 jeopardize bat conservation? In: Biological Conservation 254 (2021), S. 108952
[5] Kramer, Niklas ; Wegner, Claas: Fächerübergreifender Unterricht im Fächerverbund Naturwissenschaften und Sport. 689-715 Seiten / Herausforderung Lehrer*innenbildung – Zeitschrift zur Konzeption, Gestaltung und Diskussion, Bd. 3 Nr. 1 (2020): Herausforderung Lehrer_innenbildung – Ausgabe 3 (2020)
[6] Widmer Märki, Isabelle: Fächerübergreifender naturwissenschaftlicher Unterricht : Umsetzung und Beurteilung von Schülerleistungen im Gymnasium. 2011
[7] Pyhell, Thomas (Hrsg.); Bittner, Alexander (Hrsg.); Klauer, Anna-Katharina (Hrsg.); Bischoff, Vera (Hrsg.): Umweltethik für Kinder: Impulse für die Nachhaltigkeitsbildung. München : oekom Gesellschaft für ökologische Kommunikation mbH, 2017 (DBU-Umweltkommunikation Band 9)
[8] Prokop, Pavol ; Tunnicliffe, Sue Dale: “Disgusting” Animals: Primary School Children’s Attitudes and Myths of Bats and Spiders. In: EURASIA Journal of Mathematics, Science and Technology Education 4 (2008), Nr. 2
[9] Becker, Sebastian ; Meßinger-Koppelt, Jenny ; Thyssen, Christoph: Digitale Basiskompetenzen – Orientierungshilfe und Praxisbeispiele für die universitäre Lehramtsausbildung in den Naturwissenschaften, 2020
[10] Karpa, Dietrich (Hrsg.); Lübbeke, Gwendolin (Hrsg.); Adam, Bastian (Hrsg.): Außerschulische Lernorte : Theorie, Praxis und Erforschung außerschulischer Lerngelegenheiten. Immenhausen bei Kassel : Prolog Verlag, 2015 (Reihe Band 31)
[11] Freericks, Renate (Hrsg.); Brinkmann, Dieter (Hrsg.); Wulf, Denise (Hrsg.): Didaktische Modelle für außerschulische Lernorte. Bremen : Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit e.V. an der Hochschule Bremen, 2017